201114

www.KATAMARANSEGELN.info

Katamaransegeln ist immer noch etwas neues fuer viele Segler. Auch wenn das Prinzip des segelns an sich das gleiche ist, gibt es doch eine Handvoll Besonderheiten die aber recht schnell in Fleisch und Blut uebergehen ;-).
Ein Katamaran ist da zunaechst einmal formstabil, kann daher theoretisch kippen - OHNE sich wieder aufzurichten- was Reffen noch wichtiger macht als bei einem Monohull. Die Grossshot sollte daher immer beaufsichtigt werden, denn wenn der Leerumpf unterschneidet kann ein Katamaran kentern. Soviel zu den theoretischen Nachteilen. Sonst gibt es -gerade in der Karibik- bei einem Katamaran nur Vorteile.

Weitere Besonderheiten

Ein Katamaran laesst sich im Hafenmannoever alleine mit den Motoren steuern. Ein Katamaran wird mit Hahnepot vor Anker fixiert, ebenso wird ein Hahnepot gesetzt wenn man z.b. vor Anker zusaetzlich eine Landfeste ausbringt (Details weiter unten). Meiner persoenlichen Meinung nach sollte ein unerfahrener Skipper lieber anfangs einen Monohull waehlen oder zunaechst einmal auf einem Katamaran mitsegeln bevor er selbst zwei Ruempfe auf einmal chartert. Unter www.mermaids.de hat man ab und an die Gelegenheit auch ein Skippertrainung auf einem Katamaran zu absolvieren oder einfach mal auf einem Katamaran mitzusegeln. Aber zurueck zur Theorie.

Vorab sei gesagt dass wir uns in Folge mit "typischen" Charterkats beschaeftigen die z.b. mit zwei Motoren ausgestattet sind und von denen Eignerkats abweichen koennen. Wir starten mit den Manoevern und kommen dann zu segeln und der besonderen Vorsicht die notwendig ist um keinen Ueberschlag zu riskieren.

Besonderheiten beim ankern.

Warum einen Hahnepot vor Anker

Ein Hahnepot besteht im Grunde aus einer Leine die von Bugspitze zu Bugspitze reicht und in der Mitte eine Fixierungsmoeglichkeit besitzt in welche die Ankerkette eingehakt ist. Kette und Hahnepot bilden somit ein "Y" wenn die Länge des Hanepots ausreichend lang ist!
Wuerde man den Anker einfach mittig setzen finge ein Katamaran an zu pendeln und im Extremfall koennte der Anker durch wechselnde Zurichtungen ausreissen. Auf Charterkatamaranen ist der Hahnepot fest installiert sollte aber bei der Uebernahme auf scheuerstellen geprueft werden. Zur weiterenTheorie, eine stabilisierende Wirkung ist nur dann gegeben wenn der Hahnepot nicht zu kurz ist. Massgeblich ist die Breite des Katamarans von Bugspitze zu Bugspitze. Jede Seite des Hahnepotes sollte -als Faustformel- mindestens so lang sein wie das Boot breit. Den Hahnepot zu setzen ist im Grunde nicht schwierig.
Man wirft den Anker wie beim Monohull -der Wassertiefe entsprechend- und fixiert dann die Spitze des Hahnepotes an der Kette um die Kette dann soweit zu entlasten (fieren) dass der Katamaran voll im Hahnepot liegt. Die Ankerwinsch ist dabei vollkommen entlastet. Kette und Hahnepot bilden ein "Y". Bei Charterbooten hat der Hahnepot meist einen Schaekel der in die Kette passt, ein starker Tampen ist mir persoenlich lieber. Bei Ankerauf das gleiche Spiel nur anders herum. Der Anker geht zunaechst so weit auf bis die Spitze des Hahnepotes wieder geloesst werden kann d.h. der Hahnepot entlastet ist. Die Kettenlast liegt nunmehr wieder auf der Ankerwinsch und es kann heissen "Anker auf!".

Braucht man achtern einen Hahnepot um an einer Palme festzumachen kann man sich einen Hahnepot aus einer Festmacherleine vorkonfektionieren. Vorn und hinten Hahnepot ist immer ein bischen gefrickel. Mal eben ein bischen Kette geben ist nicht wenn der Hahnepot mal steht. Apropos Kette, der Anker wird mit Hahnepot eingefahren ;-) Faehrt man den Anker ohne Hanepot ein kann dieser immer wieder ausrucken weil der Zugwinkel sich verändert.

Hafenmanoever

Zunaechst gilt des den grossen Vorteil eines Kats hervorzuheben: Man kann NUR mit den Motoren den Kat lenken, bzw mitlenken denn das Ruder sollte nicht gerade gegen die gewuenschte Fahrtrichtung stehen. Fuer die Relation bemerkenswert: Mit nur einem Motor ist es auch unter zu Hilfe nahme des Ruders nahezu unmoeglich roemisch katholisch anzulegen d.h die gerade Acherausfahrt geht gar nicht. Der Kat ist bestrebt wilde Kreise zu fahren wenn man nur einen der beiden Motoren zur Verfuegung hat. Wenn der Backbordmotor alleine nach Achtern arbeitet zieht das Boot nach Steuerbord.

Anders als beim Monohull sollte bei manoevrieren nicht unedingt nur mit Schueben gearbeitet werden. Da wir mit den Maschinen lenken und wir auf eine Ruderwirkung -wie beschrieben- vollkommen verzichten koennen kann man zur Achterausfahrt das Ruder sogar in der Mittelstellung aretieren damit es moeglich ist sich einzig auf die Maschinen zu konzentrieren.

Da ich es -aus unterschiedlichsten Gründen- persoenlich gewohnt bin viel mit Schueben zu Arbeiten und den erhaltenen Schwung zu nutzen gehe ich auch beim Katamaran bei vorausfahrt recht schnell wieder auf das Ruder ueber. Spaetestens wenn Mooringleinen den Schiffschrauben nahe kommen freut man sich auch ohne Motore und nur mit der Restfahrt mit dem Ruder steuern zu koennen indem man die Traegheit nutzt.
Anders als beim Mono bedeutet einseitiges Gas stehen lassen auch eine Kursaenderung.

Wie beim Monohull auch gilt es alle Manoever so langsam wie moeglich zu fahren und z.b. bei starkem Seitenwind dann so schnell wie noetig. Dadurch das wir mit den Motoren Quasi aus dem Stand raus maneovrieren koennen ohne dass die Ruder angestroemt werden muessen duerfen wir noch langsamer sein als beim Monohull soweit Strom und Wind die Zeit nicht zum versetzen nutzen.

Wollen wir bei Vorausfahrt die Richtung aendern koennen wir die Drehung am heftigsten herbeifueren indem wir die beiden Motoren kontraer arbeiten lassen. Kann man machen wenn man langsam auf dem Teller drehen will.
Sinnvoller als zur Drehung auf einer Seite zu beschleunigen kann es aber sein einen Motor achterausgehen zulassen und dabei gleichzeitig fahrt aus dem Schiff zu nehmen. Man kann also drehen durcht beschleunigen aber eben auch drehen durch aufsstoppen eines Motors. Aufgrund der reduzierung des Tempos wird auch der "Wendekreis" kleiner.

Anlegen mittels Eindampfen - Arbeiten mir Leinen

Auch bei Manoevern mit einem Katamaran kann eine Spring ein Mannoever vereinfachen oder gar erst ermoeglichen. Will man bei ablandigem Wind z.B. laengseits an die Mole geht man wie folgt vor. Man steuert die Mole achteraus -im Notfall auch in einem relativ spitzem Winkel- an. Ein Winkel um die 45° funktioniert ausgezeichnet - je flacher desto einfacher aber auch spitzer geht. Die vorbereitete bugleine wird an Land auf Hoehe des Hecks belegt und mit dem Seewaertigem Motor wird leicht Vorwaertsfahrt gegeben. Dadurch dampft man dann vorsichtig in die Vorspring ein. Auf das Heck aufpassen!

Ablegen bei Auflandigem Wind ist die zweite "Herausforderung".Wichtig ist es den Landwaertigen Rumpf im Heckbereich gut abzufendern. Im Grunde muss man dann nur noch zur See hin auf dem Teller drehen. Der Landwaertige Motor laeuft dazu vorsichtig voraus (wer mag kann waehren der Seewaertige Motor achteraus laeuft. Sobald das Heck frei ist kann

AUF SEE

Reffen, reffen, reffen.

Auf Amwindkurs auf keine fall anlufen sondern zunechst durch fieren und oeffen des Travellers druck aus dem Segel nehmen dabei kann die Grossschot komplett freigeworfen werden um eine Kenterung zu vermeiden.

Bei einer Boe auf Raumshots darf nicht angeluft werden sondern man muss -soweit moeglich- weiter abfallen.

Ein Katamaran koenne keine Hoehe laufen sagt man. Immerhin haben wir mit einer Athena 38 eine Bavaria 42 auf der Kreuz abgehaengt, so ganz langsam ist ein Kat offebar auch hoch am Wind nicht. Wichtig ist es -so vorhanden- auf der Kreuz die Schwerter zu fahren um so die Abdrift einzuschrenken.

TIPPS (Dies und das)
Teils ist die Rettungsinsel (Wir hatten es bei einer Athena 38) so angebbrach dass man das Schlauchboot mit den kurzen Davids kaum hochgezogen bekommt. Einer musste mit den Beinen das Dingi vom Heck weghalten waehrend der zweite den Flaschenzug bedient. Es gilt das Schlauchboot moeglichst weit hochzuziehen damit bei schwerer See keine Welle zwischen den Ruempfen durch schiesst und in das Schlauchboot einsteigt. Wenn das Gummiboot einmal voll ist hat man es meist verloren. Hinterherschleppen des Dingi ist NoGo auch wenn man es immer wieder sieht. Irgenwann geht es bestimmt verloren so viel steht fest. Wenn es stuermisch wird hat man besseres zu tun als das Dingi dann an Bord zu nehmen.

Sollte man den Motor unter segeln "mitlaufen" lassen so am besten den auf dem Leerumpf.

Last not least, mit gleich zwei Schrauben die zudem recht ungeschuetzt am schlanken Kiel sitzen ist es ungleich einfacher eine Mooring zu kappen als mit einem Monohull. Wer also schon mal mit einem Monohull eine Mooring gekuttet hat der hat bei einem Katamaran ein 10 mal hoeheres Risiko. Man sollte also mit dem ueblichem Rundumblick -nur breiter- das Umfeld besonders im Bereich der Schrauben im Blick haben. UND im Notfall bereit sein den Motor auszukuppeln.

PS: in 2007 also vor einer gefühlten Ewigkeit habe ich mal die Besegelungsvorgaben einer Athena 38 abgeschrieben, die für mich bis dato der kritischte Katamaran war wenn viel Wind auf den Leerumpf drückt:

In der Betriebsanweisung unserer alte Athena 38 damals stand folgendes:

Am Wind und raum-vorlich
0-18 Knoten Wind = Gross und Fock
18 - 24 Knoten Wind = Gross 1 Reff und Fock 1/2
24 -30 Knoten Wind = Gross mit 2 Reffs und Fock 1/3
30-34 Knoten Wind = Gross mit 3 Reffs und Fock 1/5
34-40 Knoten Wind = Gross mit 3 Reffs und minimale Fock

Vor dem Wind und Raumschots
0-15 Knoten Wind = Gross und Fock
15-20 Knoten Wind = Gross 1 Reff und Fock 2/3
20-25 Knoten Wind = Gross 2 Reffs und Fock 1/2
25-30 Knoten Wind = Gross 3 Reffs und Fock 1/3
30-35 Knoten Wind = KEIN Gross und NUR einen Hauch von Fock

Schon beim ueberfliegen der Daten erkennt man wie kritisch es fuer einen Kat sein kann zu viel Winddruck von Achtern zu bekommen und mit einem oder gleich beiden Ruempfen zu unterschneiden und einen Stecker zu fahren was zum Überschlag führen kann. Aus eigner Erfahrung kenne ich das nur von kleinen Sportkats die dafuer eine Aufrichtleine haben, der Fahrtenkat ist nicht mit eigenen Mitteln wieder aufzurichten. Kann so sagt man auch brechen. Wenn einer gute Infos hat bitte melden.
Bei den Sportkats hat man es irgendwie gefuehlt wenn diese physikalisch in einen Kritischen Bereich kamen bei der Athena 38 meinte ich auch schon Signale mitbekommen zu haben die es z.B. bei der Lavezzi nicht gab. Der Leerumpf der Athena 38drohte viel eher zu unterschneiden (Eindringen der Rumpfspitze ins Wasser) als der einer Lavezzi 40 . Die grossen Lagoon sind ohnehin sehr gutmütig ebenso die etwas dynamischer wirkenden Lipara 41.Gleichwohl wuerde ich immer wieder eine Athena 38 chartern nur eben mit der entsprechenden Vorsicht. Auch habe ich noch nie von einem solchen Unfall mit einem Kat gehoert. Und das bei Horden von Freizeitskippern von denen viele -nachweislich- ein gefaehrliches Halbwissen haben.

Alle Angaben ohne Gewaehr ;-) Ich schau natuerlich immer was spezifisch fuer den jeweiligen Kat angegeben wird. Falls ich nichts finde nutze ich die Athena 38 Tabelle oben.

 

Gerne erweitern wir diese Infopage, daher sind Tipps und Anmerkungen immer herzlich willkommen.

 

 

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